FAQ Wärmedämmung

Worauf müssen Hausbesitzer achten? Wie viel kann Dämmen sparen? Müssen Wände “atmen”? Wie verhindert man bei der Dämmung wirkungsvoll Schimmel und Algen? welche Lebensdauer hat eine Fassadendämmung und welche Wartung erfordert sie? Hier finden Sie kurze Antworten auf die häufigsten Fragen rund um die energetische Sanierung der Gebäudehülle. Unter “Sanierungsirrtümer” finden Sie weitere Hintergründe zu gängigen Missverständnissen zum Thema Dämmen und Sanieren.

Welches Dämm-Material soll ich verwenden?

Der in einem Wärmedämm-Verbundsystem eingesetzte Dämmstoff spielt keine so wichtige Rolle, wie man meinen mag. Viel wichtiger ist, dass man auf hochwertige Systeme zurückgreift und diese auch gemäß den Vorgaben des Herstellers fachgerecht ausgeführt werden. Dafür sollte man einen qualifizierten Fachhandwerker beauftragen. Die verschiedenen Dämm-Materialien unterscheiden sich in Eigenschaften, wie zum Beispiel Verarbeitung, Dämmwirkung, Baustoffklasse oder Preis. Weitere Informationen finden Sie unter “Dämmstoffe".

Wie viel spart eine Außendämmung?

Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit einer Fassadendämmung lässt sich nicht pauschal bewerten. Wie bei jeder anderen energetischen Sanierungsmaßnahme kommt es auch, wenn Sie die Fassade dämmen, auf eine Vielzahl von Faktoren an, wie z. B. den gegenwärtigen energetischen Zustand des Gebäudes, seinen baulichen Zustand und die Entwicklung von Energiepreisen über viele Jahrzehnte. Wie genau es um Ihr Gebäude steht und welche Maßnahmen sich für Sie lohnen, kann ein unabhängiger Energieberater vor Ort ermitteln.

Verursacht Wärmedämmung Schimmel und Algen?

Schimmel und Algen sind zunächst sauber zu unterscheiden: Algen entstehen prinzipiell an allen Oberflächen. Bevor diese jedoch wachsen können müssen z.B. Fassadenflächen dauerhaft mit Feuchtigkeit in Berührung kommen und nur schlecht abtrocknen können. Eine Fassadendämmung reduziert den trocknenden Wärmeverlust nach außen, was grundsätzlich zu stärkerer Algenbildung führen kann. Algen sind prinzipiell jedoch ein rein optisches, leicht in den Griff zu bekommendes Problem und haben keinen Einfluss auf unsere Gesundheit. Um Algen dennoch zu vermeiden, gibt es beispielsweise verschiedene Oberputze und zu beachtende bauliche Details, wie ausreichende Dachüberstände und die Vermeidung von Verschattung beispielsweise durch Bäume in unmittelbarer Nähe zur betroffenen Fassade.

Schimmel hingegen entsteht im Innenraum dort, wo sich Feuchtigkeit an kalten Stellen niederschlägt. Da nach der Dämmung weniger Wärme nach draußen dringt, bleiben die Oberflächen im Inneren wärmer und die Wände trocknen schneller. So kann eine effektive Wärmedämmung Schimmel vermeiden. Sprich: Das durch die Dämmung in bestimmten Fällen leicht gestiegene Risiko gesundheitlich unbedenklichen Algenwachstums steht einem stark gesenkten Risiko gesundheitsgefährdenden Schimmelwachstums gegenüber. Um Schimmel bei der Dämmung effektiv zu vermeiden, dürfen bei der energetischen Sanierung jedoch keine Wärmebrücken entstehen. Fachgerechte Planung und Ausführung sind hier entscheidend.

Wände müssen atmen, oder?

Wände, egal welcher Bauart, ob Massiv, Holz oder Beton, können prinzipiell nicht “atmen”. Für ein behagliches und gesundes Raumklima ist eine Kombination aus den für das jeweilige Haus richtigen, aufeinander abgestimmten energetischen Sanierungsmaßnahmen und korrektes Lüften entscheidend. Bevor Häuser energieeffizient gebaut oder saniert wurden, geschah diese Lüftung vor allem durch undichte Fenster und Türen fortlaufend und unkontrolliert, mit entsprechend hohen Heizkosten und niedrigem Wohnkomfort. Energetische Sanierungsmaßnahmen wie die Erneuerung von Fenstern und die Dämmung der Fassade geben uns heute Kontrolle über die Wärme in unseren Wohnräumen sowie das darin herrschende Raumklima. Richtiges Lüften ist ein wesentlicher Bestandteil davon.

Erhöht eine Fassadendämmung das Brandrisiko?

Wärmedämm-Verbundsysteme durchlaufen gründliche Prüf- und Zulassungsverfahren, bevor sie in Deutschland als Bausysteme zugelassen werden. Die Zahl der Brände, bei denen die Fassadensysteme in irgendeiner Form eine Rolle gespielt hat, ist in Deutschland extrem gering und stets waren besondere Umstände im Spiel: In einigen Fällen war das WDVS entweder nicht fertig oder fehlerhaft ausgeführt. Guter Brandschutz bei der Dämmung wird durch system- und fachgerechte Ausführung erreicht.

Wann sollte ich mein Haus dämmen?

Zunächst sollten Sie einen unabhängigen Energieeffizienz-Experten mit der Vor-Ort-Analyse Ihres Hauses beauftragen. Das ist für die Inanspruchnahme von Fördermitteln der KfW mittlerweile Voraussetzung. Ergibt die Analyse des Energieberaters, dass eine Dämmung sich in Ihrem Fall lohnt, so ist es wirtschaftlich betrachtet sinnvoll, Sie kombinieren die Dämm-Maßnahme mit Sanierungsmaßnahmen, die ohnehin anstünden. Zum Beispiel sind zwei wesentliche Kostenpunkte bei der Fassadendämmung Gerüst und Arbeit. Wenn die Fassade also in die Jahre gekommen ist und einen neuen Anstrich vertragen könnte, das Dach Reparaturen erfordert oder neue Fenster eingebaut werden, sprich: wenn das Gerüst ohnehin steht, lohnt sich die Dämmung in wirtschaftlicher Hinsicht besonders. In der Regel wird Ihnen der Energieeffizienz-Experte einen Sanierungsfahrplan erstellen, in dem Sie verschiedene energetische Sanierungsmaßnahmen wirtschaftlich geschickt kombinieren können.

Meine Dämmung ist veraltet. Muss sie runter und eine neue drauf?

Wärmedämm-Verbundsysteme werden in Deutschland seit den späten 60er-Jahren verbaut. Viele dieser Systeme verrichten noch heute zuverlässig ihren Dienst, erfüllen naturgemäß jedoch lediglich veraltete Einspar-Vorgaben. Um die Verbrauchswerte Ihres Hauses in den grünen Bereich heutiger Energieausweise zu verschieben, muss das Dämm-System nicht zwangsläufig abgebrochen und ausgetauscht werden: Häufig kommt ein sogenanntes “Aufdoppeln” in Frage. Wenn das ursprüngliche WDVS in einem technisch guten Zustand ist, ist es ohne weiteres möglich, ein zweites, neues System darauf anzubringen und so den entsprechenden EnEV-konformen Wärmedurchgangswert der gesamten Wandkonstruktion sicherzustellen.

Können Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) recycelt werden?

Wärmedämm-Verbundsysteme haben eine Lebenserwartung von weit über vier Jahrzehnten, in vielen Fällen funktionieren sie auch nach 60 Jahren noch einwandfrei. Ein hohes Volumen an zu recycelndem Material existiert heute somit noch nicht – die technischen Möglichkeiten dazu sind jedoch vorhanden. Heute werden rückgebaute WDVS üblicherweise thermisch verwertet, d. h. zur Energiegewinnung verbrannt. Das sogenannte CreaSolv-Verfahren beispielsweise ermöglicht jedoch auch heute schon die Zersetzung in die ursprünglichen Bestandteile. Eine Studie zum Recycling von Wärmedämm-Verbundsystemen finden Sie hier.

Wie steht es um die Ökobilanz der Dämm-Materialien?

In energetischer Sicht amortisieren sich sämtliche gängigen Dämmstoffe binnen weniger (meist deutlich unter fünf) Jahre. Das heißt, dass die für Produktion, Transport, Verarbeitung, Rückbau und Entsorgung aufgewendete Energie innerhalb kurzer Zeit durch die energetische Gebäudesanierung wettgemacht wird.